Neben ihr lag, in eine Decke gehüllt, Katja und drückte das abgenutzte Stoffkaninchen an sich. Ihre kleinen Finger streichelten immer wieder eines seiner Ohren – mechanisch, angespannt, als ob sich dort eine Art Schutz vor der ganzen Welt verbarg.
Die Großmutter hatte nur eines im Kopf:
„Wie kommt es, dass ich ihn nicht früher gesehen habe?“
Sie erinnerte sich daran, wie sehr sich ihre Tochter Marina in den letzten Jahren verändert hatte. Sie war irgendwie kalt geworden. Distanziert. Immer nervös, immer müde. Sie beschwerte sich ständig – über die Arbeit, über das „schwierige Kind“, darüber, dass sie genug hatte.
Valentina dachte, das wären Worte. Eine müde Frau. Eine angespannte Mutter.
Doch nun lag vor ihren Augen das Ergebnis dieser Mutterschaft.
Ein blauer Fleck. Stille. Und Angst in den Augen der Kinder.
„Kätzchen, Liebes … sag mir die Wahrheit“, sagte Valentina leise, obwohl ihre Stimme zitterte. – Bestraft dich Mama oft so?
Katja sagte nichts. Dann nickte sie kaum merklich.
„Manchmal… wenn ich nicht auf sie höre. Wenn ich etwas vergesse oder ihr etwas erzähle… Einmal, weil ich Milch verschüttet habe. Dann, weil ich ein paar getrunken habe. Und noch mehr…“ Sie hielt inne.
„Was noch, mein Lieber?“
Katja drückte ihr Häschen fester an sich.
„Sie sperrt mich im Badezimmer ein. Oder führt mich auf den Balkon. Fast… Sie sagt, wenn ich nicht auf sie höre, muss ich mich „beruhigen“.

Valentina legte die Hand vor den Mund. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Ihre Brust zog sich zusammen.
„Das ist nicht meine Marina. Sie ist nicht das Mädchen, das ich großgezogen habe… Was hat sie so gemacht?“
Als Katja bei den Klängen des Märchens einschlief, stand Valentina auf, ging in die Küche, schenkte sich Wasser ein – ihre Hand zitterte – und setzte sich an den Tisch.
Die Entscheidung fiel sofort. Ohne Zweifel.
Sie wird das Kind nicht zurückbringen. Nicht morgen. Vielleicht nie.
Zwei Stunden später saß Valentina bereits im Auto. Neben ihr saß ihr Nachbar Todor, ein pensionierter Ermittler.
— Walja … willst du wirklich das Jugendamt einschalten? Das ist keine Kleinigkeit.
— Ich kann nicht länger schweigen, Tosho. Ich kann nicht. Mein Kind ist meine Enkelin. Sie ist keine Blume im Topf, die man nach Belieben bewegen und beschneiden kann. Wenn sie Schmerzen hat, stimmt etwas nicht. Und ich werde nicht tatenlos zusehen.
Am nächsten Morgen standen Beamte des Kinderschutzes vor Marinas Tür. Eine Frau in einem dunkelblauen Anzug stellte sich vor und setzte sich.
— Wir haben eine Anzeige erhalten. Über möglichen psychischen und physischen Missbrauch des Kindes.
Marina wurde für einen Moment blass.
— Meine Mutter, nicht wahr? Sie hat es dir erzählt?! Diese Frau ist verrückt! Was redet sie für einen Unsinn! Ich bin eine wundervolle Mutter! Das Kind hat alles – Kleidung, ein Zimmer, Spielsachen!
— Und die blauen Flecken? Gehören die auch zu „allem“?
— Ich habe sie nur gewaschen! Einmal! Das ist keine Gewalt – das ist Erziehung! Ich bin ihre Mutter! Ich habe das Recht dazu! Sie war immer gegen mich! Sie hat mich mein ganzes Leben lang sabotiert!
— Bitte beruhigen Sie sich!, mischte sich eine andere Mitarbeiterin ein. — Wir ziehen keine Schlussfolgerungen. Wir führen nur eine Inspektion durch. Aber vorerst bleibt das kleine Mädchen bei ihrer Großmutter. Das ist eine vorübergehende Maßnahme.
Marina klammerte sich an den Tisch. Zum ersten Mal wurde ihr bewusst, dass sie ihr Kind verlieren könnte.
Zwei Wochen vergingen. Katja blieb bei Valentina. Und mit jedem Tag lächelte sie mehr, wurde ruhiger und fröhlicher. Sie schlief friedlich ein. Sie malte. Sie spielte. Sie sprach selbstbewusst. Sie begann wieder vor sich hin zu singen.
Eines Abends, nachdem sie ihren Kuchen aufgegessen hatte, sah sie ihre Großmutter an und fragte:
— Oma … kann ich für immer bei dir bleiben?
Valentina lächelte mit Tränen in den Augen.
„Solange ich lebe, Katenze, wirst du hier immer ein Zuhause haben. Und Liebe.“
„Einen Monat später erschien Marina an der Tür.
„Sie sah anders aus. Kein Make-up. Keine Frisur. Ihre Augen – blau, aber verschwommen. Keine Arroganz. Nur Schweigen.“
„Mama… ich war bei einer Psychologin. Und in der Direktion. Ich habe gelesen. Ich habe geredet. Ich habe nachgedacht… und mir wurde klar. Ich war wirklich… schlecht. Ich war… ein Monster. Aber ich will mich bessern. Ich will meine Tochter zurück. Aber auch mich selbst.“
Valentina schwieg lange. Dann sagte sie:
„Du kannst es versuchen, Marina. Aber nicht mehr als „Mutter“. Sondern als Mensch. Finde zuerst zu dir selbst zurück. Dann – vielleicht – zu Katja.“
„Marina weinte. Ohne Prahlerei. Ohne Drama.
„Wahrhaftig.“
„Katja spähte aus dem Zimmer. Sie sah sie lange an. Dann kam sie näher.“ Sie schwieg.
Und sie sagte leise:
— Nur wenn du mir keine Angst mehr machst… dann — kannst du. Aber du musst wie eine Großmutter werden.
Und er nahm ihre Hand.
Es war ein Neuanfang.
Kein Schreien. Keine Angst.
Nur Liebe.
Und eine Chance zu heilen.
Drei Frauen. Drei Generationen. Und ein Satz, der seitdem in ihrem Zuhause steht:
„Liebe schlägt nicht. Liebe macht keine Angst. Liebe umarmt.“