— Ja, das ist meine Wohnung. Ja, ich habe das Recht zu entscheiden. Nein, ich muss keine freche Schwiegermutter in meinem Schlafzimmer dulden!

Bist du verrückt geworden?! — Alla stand mitten im Zimmer, die Tasse mit abgekühltem Tee wie einen Schutzschild an die Brust gepresst.

Vor ihr stand Marina Petrowna, ihre Schwiegermutter, mit einem Koffer in der Hand, so als wäre sie frisch vom Bahnhof gekommen. — Meinst du das ernst?

— Was soll daran sein? — antwortete die ältere Frau ruhig, als käme sie nur auf einen kleinen Besuch vorbei. — Ich ziehe zu euch. Für immer.

— Für immer? — Alla verschluckte fast die Worte. — In unserer Einzimmerwohnung? Zu uns?!

Igor tauchte im Türrahmen auf, in abgetragenen Trainingshosen, das Gesicht schuldbewusst wie ein Kater, der gerade die Vase zerbrochen hat.

— Mama… was… — stammelte er, während sein Blick zwischen den Koffern und seiner Frau hin- und hersprang.

— Was denn? — Marina Petrowna hob würdevoll das Kinn. — Ich habe Svetlana die Wohnung überlassen. Sie sollen ihren Platz haben, die jungen Leute.

Ich ziehe zu euch. Ein Sohn verlässt doch seine Mutter nicht, oder?

Igor zuckte nur die Schultern, kratzte sich verlegen am Hinterkopf.

Alla erstarrte. Sie konnte kaum glauben, was sie sah. Diese Frau, die sie kaum kannte, stellte bereits ihren Koffer an die Wand, holte einen Bademantel und ein geblümtes Nachthemd heraus.

— Moment mal! — rief Alla und stellte die Tasse auf den Tisch. — Wo genau willst du schlafen? Wir haben nur ein Zimmer!

— Ach, Alla, — winkte Marina Petrowna ab. — Menschen leben auch in kleineren Wohnungen. Ich nehme das Bett, ihr kuschelt euch auf euer kleines Sofa. Das wird schon gehen.

— „Das wird schon gehen“?! — schrie Alla fast. — Wie soll man das verstehen?

— Warum regst du dich so auf? — mischte sich Igor ein, die Stirn in Falten. — Mama soll doch nicht auf der Straße schlafen.

— Dann soll sie zu ihrer Tochter ziehen! — funkelte Alla ihn an. — Svetlana hat doch jetzt immerhin zwei Zimmer.

— Da wohnen junge Leute, die sollen nicht gestört werden, — warf Marina Petrowna ein. — Ich will nicht stören.

Alla verdrehte die Augen, ihr Herz pochte so laut, dass sie dachte, die Wände könnten es hören.

— Und ich soll es mir gefallen lassen?

— Du bist die Frau meines Sohnes, — sagte Marina Petrowna mit stolzer Stimme. — Wir sind jetzt eine Familie. Zusammenleben ist also normal.

Alla lachte nur trocken, bitter.

— In einem Raum, zu dritt, mit deinen Sachen, deinen „Ich gehe um neun ins Bett“-Regeln und „Stell das Geschirr nicht so laut hin“? Wir bringen uns gegenseitig um!

Marina Petrowna rollte die Augen:

— Alla, du bist zu hitzköpfig. Frauen sollten gelassener sein.

Alla ballte die Fäuste, fühlte, wie Wut und Verzweiflung sich in ihr aufstauten.

— Und Sie sollten sich daran erinnern, dass Sie nicht bei sich zu Hause sind!

Stille. Nur der Kühlschrank summte, der Wasserkocher pfiff leise.

Schließlich seufzte Igor:

— Mama, vielleicht bleibst du erst mal bei Svetlana, ja? Wir überlegen, wie wir das regeln…

— „Überlegen“! — spottete die Schwiegermutter. — Ich habe schon überlegt! Ich bleibe!

Und begann, den Koffer auszupacken — Schuhe am Eingang, Kosmetiktasche ins Badezimmer, Handtuch neben Allas aufgehängt.

Alla stand fassungslos da, als würde ihre Wohnung still und heimlich besetzt. In ihrem Inneren kochte alles, doch sie schwieg. Zählte bis zehn, dann bis zwanzig.

Die Luft fühlte sich stickig an, jede Bewegung der Schwiegermutter war wie ein Schlag gegen ihre Geduld.

— Igor, — sagte sie schließlich leise, — sag deiner Mutter, dass sie hier nicht wohnen kann. Ich werde es selbst tun, wenn nötig.

— Alla…

— Nein! — unterbrach sie ihn. — Ich bin weder Kindermädchen noch Hausfrau, um mit einer fremden Frau mein Zimmer zu teilen!

— Sie ist nicht fremd! — Igor schrie plötzlich.

— Für mich ist sie es! — Alla trat einen Schritt nach vorn. — Punkt.

Marina Petrowna drehte sich langsam zu ihm um:

— Sie spricht respektlos mit mir. Als Sohn hast du sie schlecht erzogen…

Alla sah ihr direkt in die Augen.

— Vielleicht. Aber wenigstens bin ich ehrlich.

Die Tage vergingen wie in einem Albtraum. Marina Petrowna beanspruchte das Badezimmer stundenlang, mischte sich in jedes Detail von Allas Leben ein, kommentierte jede Mahlzeit,

jede Bewegung, jedes Geräusch. Igor schwieg wie ein Fisch, lächelte nur schuldbewusst. Alla fühlte, wie ihr Inneres sich immer weiter spannte, als würde sie auf einem Vulkan stehen.

Eines Abends stand sie auf, die Augen glühend vor Entschlossenheit:

— Igor, entweder sie geht, oder ich gehe.

Er sah sie müde an, wusste, dass sie es ernst meinte.

Am nächsten Tag sammelte Marina Petrowna widerwillig ihre Sachen. Igor half still, ohne ein Wort zu sagen. Die Wohnung war plötzlich still, leer, und Alla atmete tief ein.

Die Stille fühlte sich an wie Freiheit, wie frische Luft nach einem langen Sturm.

Durch die Fenster fiel der graue Herbstregen, draußen wirbelten Blätter im Wind, Kinder spielten laut im Hof.

Leben ging weiter. Alla sah hinaus, spürte das kostbare Gefühl von Raum, von eigener Luft, von eigener Entscheidung.

Niemand hat das Recht, dein Leben zu betreten und Chaos zu stiften, nicht einmal die Schwiegermutter.

Und zum ersten Mal seit Wochen fühlte Alla, dass sie wieder atmen konnte.