Es war ein stiller Nachmittag – einer dieser Nachmittage, an denen das Sonnenlicht den Rasen in ein warmes, goldenes Licht taucht und die Luft friedlich still ist. Ich schlenderte gedankenverloren durch meinen Garten, als mir zwischen den Grashalmen etwas Ungewöhnliches ins Auge fiel.
Auf den ersten Blick sah es aus wie ein weggeworfenes Seil, locker aufgerollt und regungslos auf dem Boden liegend. Neugierig trat ich näher, meine Neugier vermischte sich mit einem schleichenden Unbehagen.
War es nur ein Seil? Oder etwas anderes?
Als ich näher kam, bemerkte ich eine subtile Bewegung – kaum wahrnehmbar, aber genug, um meinen Puls rasen zu lassen. Das Objekt bewegte sich, schien fast zu pulsieren. Ein erschreckender Gedanke schoss mir durch den Kopf: Könnte es eine Schlange sein?
Die Enthüllung: Eine Prozession von Raupen
Mit klopfendem Herzen und dem Handy in der Hand näherte ich mich vorsichtig, um dieses geheimnisvolle Schauspiel einzufangen. Und dann offenbarte es sich.
Zu meiner Überraschung – und Erleichterung – war es weder ein Seil noch eine Schlange.
Es war eine lange, perfekt geordnete Reihe von Raupen – etwa 150 an der Zahl –, die sich in vollkommener Harmonie bewegten. Ein lebendiger, sich schlängelnder Faden, der sich durch das Gras zog, jede Raupe folgte der vor ihr mit unerschütterlicher Hingabe. Es war faszinierend. Wunderschön. Surreal.
Dieses Verhalten, so erfuhr ich später, wird als „Raupenzug“ bezeichnet.
Was ist ein Caterpillar-Zug?
Dieses faszinierende Verhalten ist häufig bei Arten wie dem Kiefernprozessionsspinner zu beobachten, der dafür bekannt ist, sich in dichten, hintereinanderlaufenden Reihen fortzubewegen. Es ist nicht nur eine kuriose Eigenart – es ist eine geniale Überlebensstrategie.
Hier ist der Grund dafür:
-
Schutz durch die Masse: Eine lange, sich bewegende Reihe lässt die Gruppe größer und bedrohlicher auf Raubtiere wirken.
-
Navigation durch Teamwork: Die führenden Raupen legen eine Spur von Pheromonen – chemischen Signalen, die den anderen den Weg weisen.
-
Gruppenzusammenhalt: Indem sie dieser Duftspur folgen, bleiben die Raupen zusammen und bewegen sich gemeinsam fort, wodurch die Wahrscheinlichkeit verringert wird, dass einzelne Raupen verloren gehen.
Es ist ein bemerkenswertes Beispiel für Koordination und Instinkt. Was wie einfaches Krabbeln aussieht, ist in Wirklichkeit ein ausgeklügeltes System der Kommunikation und des Überlebens.